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  Comune di Orselina |Viaggio nella storia | Tradizione contadina
 


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Die Madonna del Sasso
Die ersten Schritte zur selbständigen Gemeinde
Bäuerliche Tradition und Aufbruch zur Moderne


Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Lebensstandard vom fruchtbaren Land gewährleistet: vor allem Wälder, Wiesen und Weiden, Viehzucht und florierende Weinberge. Wenn der Ertrag des Bodens nicht zum Lebensunterhalt ausreichte, blieb nur der Ausweg der Emigration, den vor allem Maler, Dekorateure und Maurer einschlugen. Geschichtlich betrachtet ist die Lösung interessant, die im19. Jahrhundert die Gleichheit der Bürger regelte: Alle hatten das gleiche Recht, doch wurde zwischen Alteingesessenen und Ortsansässigen unterschieden. Diese Teilung wurde ermöglicht durch zwei Verwaltungsorgane: Gemeinde und Patriziat (Bürgergemeinde), die über die Erträge der Gemeinschaft, vor allem Wald und Weiden, verfügen konnte. Die gute Organisation wurde einige Jahre später bestätigt.1835/36 richtete Orselina die ersten beiden öffentlichen und obligatorischen Grundschulen für 6- bis 14-Jährige ein: neun Monate Schulunterricht, sechs Stunden pro Tag.
Das eine Schulhaus war in Orselina Superiore, das andere im unteren Teil des Dorfes. 1843 folgte eine dritte, ein Jahr später eine weitere Schule, so dass jeder Ortsteil über ein Schulhaus verfügte. Wenn das 20. Jahrhundert das Aufkommen des Tourismus als eines neuen, wichtigen Wirtschaftszweigs einläutete, mit dem Bau der grossen Hotels und Kurhäuser (der schon im vorhergehenden Jahrhundert begonnen hatte), so war das 19. Jahrhundert entscheidend gewesen im Bereich der öffentlichen Infrastrukturen und der Bewusstseinsbildung als selbständige
Gemeinde, allerdings eingefügt in das Locarneser Umfeld. Zwischen 1848 und 1851 wurden im Innern der Kirche Madonna del Sasso wichtige Arbeiten durchgeführt. 1861 wurde die Via Orselina geplant, die als Kantonsstrasse Muralto und Orselina verbindet und in den darauf folgenden Jahren gebaut wurde. 1867 wurde die Verbindungsstrasse zwischen Monti und Orselina verwirklicht. Von 1887 und 1889 wurde die Via Crucis, die zur Madonna del Sasso hinauf führt, restauriert und teilweise neu angelegt. Das Heiligtum und das Kloster wurden ab 1890 umgebaut und erweitert. Inzwischen war Orselina 1881 zur selbständigen Gemeinde geworden. Diese örtlichen Ereignisse stehen im Zusammenhang mit der Gesamtentwicklung des Kantons Tessin. 1874 erreichte die Eisenbahn Locarno. 1882 wurde der Gotthard-Eisenbahntunnel eröffnet, mit der Vervollständigung der Bahnlinie Basel ­ Tessin ­ Mailand. Es war der entscheidende Anstoss für die touristische Entwicklung im Locarnese und damit in Orselina. Umso mehr, als die Linie Bellinzona-Locarno im gleichen Jahr der Gotthardbahn angeschlossen wurde.

Bald setzte der Bau von Hotels und Kurhäusern ein: zuerst die Pension Mirafiori und die Pension Sanitas, dann das Kurhaus und schliesslich das Hotel Orselina und das Hotel Al Sasso. Diese Art der Eigeninitiative erwies sich als wesentlich für die Entwicklung der Gemeinde. Schon im frühen 20. Jahrhundert übte Orselina eine starke Anziehungskraft aus auf Gäste und Touristen, die vor allem aus den deutschsprachigen Kantonen und aus Deutschland kamen. In Wirklichkeit stellt Orselina dem Gastgewerbe und dem Tourismus bäuerliche und handwerkliche Tätigkeiten zur Seite, die viele Jahrhunderte den Lebensunterhalt für diese und andere Tessiner Gemeinden sichergestellt hatten.
Die Verkehrsmittel erhielten 1905/6 einen zusätzlichen Impuls durch den Bau der Standseilbahn Locarno-Madonna del Sasso, die entscheidend zur weiteren Entwicklung beigetragen hat. 1952 wurde die Talstation der Seilbahn Orselina-Cardada gebaut, vier Jahre später ergänzt durch die Sesselbahn, die über Cardada auf die Cimetta führt. Die Anlagen des öffentlichen Verkehrs für das ganze Gebiet sind in den Jahren 1999-2000 einer umfassenden Modernisierung unterzogen worden.